Terroristen auf Reisen
Warum Geldwäscheprävention kein Selbstzweck ist
Es war im Juli 2009, als die Warnmeldung der BaFin auf die Schreibtische unserer Geldwäschepräventions-Kollegen flatterte: Einbrecher waren in die Ausländerbehörde Berlin und mehrere Bürgerämter der Stadt eingedrungen und hatten gezielt Blanko-Dokumente entwendet, mit denen sich gültige Ausweise und Reisepässe erstellen ließen.
"Informationssteuerung an Geldinstitute zur Verhinderung von Straftaten", so hieß es in der Betreffzeile des Schreibens. Mit "Straftaten" war hier in erster Linie die Geldwäsche gemeint. Wer ein Konto eröffnet, muss sich ausweisen - da dürfte es so manchem Kriminellen entgegen kommen, wenn er mit seiner wahren Identität hinterm Berg halten kann, weil er sich einen blitzneuen Pass gebastelt hat.
Also dachte sich einer unserer Geldwäschebeauftragten: Warum nicht die Nummern der gestohlenen Ausweis-Rohlinge in Geno-SONAR hinterlegen? Das Monitoring-System Geno-SONAR untersucht bei den Banken im genossenschaftlichen Finanzverbund alle Transaktionsdaten nach geldwäscheverdächtigen Auffälligkeiten. Man könnte also nachgelagert die Ausweisnummer des Bankkunden automatisch mit den Nummern der geklauten Blanko-Dokumente abgleichen lassen. Gesagt, getan: Die Rechenzentralen gingen auf unsere Anregung ein, und wenig später war das neu geschaffene Indiz bei allen Banken aktiv, die Geno-SONAR nutzen.
Nun steht die Geldwäscheprävention im Ruf, den Banken in erster Linie Kosten zu verursachen. Sie bringt Arbeit mit sich, Formulare müssen ausgefüllt, IT-Systeme gepflegt und Mitarbeiter geschult werden. "Und dann führt fast jede Verdachtsanzeige nach dem Geldwäschegesetz zu einer Verfahrenseinstellung! Das frustriert doch ungemein!", bekommen unsere Geldwäschebeauftragten gerne zu hören.
Doch mit der letztwöchigen Ausgabe des Focus wurde wieder deutlich, wie wichtig die Geldwäscheprävation tatsächlich ist. Denn dort tauchen unter der Überschrift "Papiere für Schläfer" die gestohlenen Blanko-Pässe vom Sommer 2009 wieder auf. Nach Aussage des Nachrichtenmagazins wissen die Ermittler, wer die Papiere gestohlen hat und wozu: Eine international operierende Bande wolle mit den Papieren auch "Terroristen im Wartestand" aus den kurdischen Regionen im Norden des Irak nach Europa einschleusen. "Mehr als 5000 Freibriefe für illegale Einwanderer oder auch Terroristen" ließen sich aus den erbeuteten Dokumenten fertigen. Und die gestohlenen Ausweise werden bereits rege genutzt: 80 Stück wurden seit Januar 2010 bei Passkontrollen in zehn europäischen Ländern registriert, schreibt Focus.
Zwar ist bei den Genossenschaftsbanken noch keiner der geklauten Pässe aufgetaucht - doch dieser Fall macht erneut klar, dass Geldwäscheprävention alles andere als ein Selbstzweck ist.
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